Recto Avenue Teil 2

Recto Avenue Teil 2

>>Es darf nur einer von euch mitkommen<< sagt Heinrich* zu mir. Karina, Bene und ich stehen wieder an seinem Stand, um die Dokumente für meine neue Identität zu kaufen. Eine Geburtsurkunde und einen Pass. Im Vorfeld hatte ich mit ihm geklärt, dass ich mir die Drucker anschauen möchte. Er hat mit seinem Chef gesprochen. Der findet das zwar nicht gut, aber zugestimmt hat er trotzdem. Geld regelt (leider) alles. Dass ich ihn ohne mein Team besuchen soll, finde ich auch nicht gut. Zustimmen tue ich trotzdem. >>Versprich mir, dass nur diese eine Kamera läuft<< sagt Heinrich zu mir und zeigt auf Benes Sony, die auch die einzige Kamera sein wird, die ich benutze. Ich halte meine Versprechen. Heinrich hat uns schon bei unserem letzten Besuch erzählt, dass vergangenes Jahr jemand auf der Recto getötet wurde, weil er einem ausländischen Drehteam zu viel über die Geschäfte vor Ort verraten hat. Ich möchte niemanden in Lebensgefahr bringen.

Heinrich läuft los. Ich laufe ihm hinterher. Nach einer halben Minute würde ich nicht mehr alleine zurück finden. Wir laufen durch enge Gassen. Links und rechts sitzen Menschen und nähen Klamotten. >>Ok<< denke ich >>hier werden also nicht nur Dokumente gefälscht<< Immer wieder warnt mich Heinrich, dass ich keinen Blickkontakt aufnehmen und die Kamera festhalten soll. >>Du mieses Arschloch verpiss dich<< ruft eine alte Frau. Sie springt auf und läuft auf mich zu. Ich bin geschockt und weiß nicht, wie ich reagieren soll. Reflexartig schütze ich die Kamera. Die Frau schlägt kreischend auf mich ein. Fängt an mich zu kratzen. Ich versuche sie zu beruhigen und erkläre ihr, dass die Kamera aus ist. Heinrich mischt sich ein. Er kann die Frau von mir ablenken. Mittlerweile sind aus bestimmt zehn sitzenden Menschen zehn stehende Menschen geworden. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Manila fühle ich mich unwohl. Mein verzweifelter Blick fällt auch Heinrich auf. >>Schnell<< sagt er >>wir gehen weiter. Aber pack die scheiß Kamera weg<< >>Ich verstehe die Reaktionen<< versuche ich ihm zu erklären, aber er hört mir nicht zu. Ich verstehe auch seine Reaktion und bin froh, dass wir das Haus seines Chefs erreichen.

– Fortsetzung folgt –

*Siehe Blogbeitrag Recto Avenue

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