Recto Avenue

Recto Avenue

>>Das ist also die berüchtigte Recto Avenue<< sage ich zu Bene und Karina. Obwohl der Satz in verschiedenen Abwandlungen wahnsinnig ausgelutscht ist, finde ich ihn passend. Das liegt daran, dass wir mitten auf der Recto Avenue stehen und die berüchtigt ist. Begleitschutz haben wir trotzdem nicht. Obwohl wir dies vorerst besprochen hatten, waren die letzten Tage mit Drehs und Recherchen gefüllt. Dadurch hat sich die Suche nach unserer persönlichen Security ganz weit nach hinten verschoben. Doch uns läuft die Zeit davon. Nachdem ich erfahren habe, dass ich für meinen gefakten Tod auch noch eine Leiche besorgen muss, habe ich Druck gemacht, dass ich endlich meine Sterbeurkunde haben möchte. >>Jan<< hat Bene heute Morgen gesagt >>du darfst nicht am Shirt kratzen<< Diese Warnung hat er ausgesprochen, da ich verkabelt bin. Das versteckte Mikrofon und meine Uhr* geben mir ein gutes Gefühl. Ich bin ein Agent auf geheimer Mission. Was ich vor 20 Jahren in meinem Zimmer mit Actionfiguren und Kuscheltieren nur gespielt habe, ist heute Wirklichkeit. Ich denke über Filmzitate nach, die ich aussprechen kann, kurz bevor mir meine Dokumente überreicht werden. Ich entscheide mich für „Heute ist ein guter Tag zum Sterben“. Nachdem die ersten Personen auf dem Schwarzmarkt sichtlich unerfreut über unseren Auftritt mit der Kamera sind, bin ich froh, dass wir noch eine weitere versteckte Taschenkamera haben. Tatsächlich werde ich recht häufig gefragt, ob ich gefälschte Ausweise oder etwas in der Richtung kaufen möchte. >>Ja also<< antworte ich jedes Mal erneut >>eher etwas in der Richtung<< Bei dem Wort „Sterbeurkunde“ bekomme ich tatsächlich die ersten Kopfschüttler. >>Komisch<< denke ich >>Geburtsurkunden und so sind doch auch kein Problem<< Zum Glück stoßen wir auf Heinrich*. Denn Heinrich hat einfach alles. Von Personalausweisen, über Schulabschlüsse bis hin zu negativen HIV-Tests. Er lädt mich ein, Platz zu nehmen. Am Restaurant hinter uns steht Security. >>Also eigentlich brauche ich all deine Daten<< sagt Heinrich. >>Deinen Namen, den Namen deiner Eltern, dein Geburtstag, deine Adresse und so weiter<< führt er fort. Er zeigt mir eine Sterbeurkunde und ich sehe, was er mit „und so weiter“ meint. Abgesehen von meiner Schuhgröße gebe ich ihm also all meine Zahlen, Daten und Fakten. >>Ohje<< denke ich >>wenn ich noch einmal über Datenschutz im Internet lästere, kann ich mich doch selbst nicht mehr ernst nehmen<< Da Heinrich jetzt ja ohnehin alles über mich weiß, erzähle ich ihm auch, dass ich eigentlich ein „Ich bin tot und beginne ein neues Leben“-Komplettpaket benötige. Er bietet mir alles, außer die Leiche, für 4000 Peso*** an. Inbegriffen sind da die bereits erwähnte Sterbeurkunde, ein Autopsiebericht von einem Krankenhaus, eine neue Geburtsurkunde und ein Ausweis. >>Deal<< sage ich ohne zu Handeln und reiche Heinrich meine Hand. >>Aber wenn ich schon soviel kaufe<< versuche ich mehr zu erfahren >>dann möchte ich mir auch die Drucker anschauen<< Heinrich überlegt kurz und schlägt mir vor, dass ich heute zwei von vier Dokumenten bekomme und in ein paar Tagen zurückkehre. Er müsse mit seinem Chef sprechen. >>Deal<< sage ich wieder und reiche ihm erneut meine Hand. Diesmal mit Geld. Heinrich zieht los und verspricht in einer Stunde zurück zu sein.

– Fortsetzung folgt –

*siehe Blogeintrag „Auf der Suche

**Name geändert

***ca. 80€

Fake Dokumente

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