Karaoke

Karaoke

Ich laufe wieder durch Manilas Straßen und habe keine Ahnung, wo ich bin. Die Taxifahrer können mit dem Namen meines Hotels nichts anfangen. Die Tricyclefahrer haben keine Lust mehr auf mich, sobald ich erwähne, dass es bestimmt mehr als zehn Kilometer entfernt ist. Ich denke es ist Zeit für ein Bier. Wenn ich schon nicht nach Hause finde, dann will ich wenigstens betrunken nicht nach Hause finden. >>Bleib aber maximal vier Stunden alleine unterwegs<< klingen mir Karinas und Benes Worte in den Ohren. >>Lächerlich<< denke ich und sehe, dass ich bereits jetzt überzogen habe*. Die Bar, an der mich mein Fahrer raus lässt, wirkt freundlich. Ich werde freundlich empfangen, freundlich zu meinem Platz geleitet und freundlich bedient. Auf der Bühne singen zwei freundliche… ääh… Menschen Karaoke. >>Oh<< denke ich. >>ich bin wohl in einer Transenshow gelandet<< Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob man „Transe“ sagen darf, aber ich gehöre zu den tolerantesten Menschen, die ich kenne. Deshalb sage ich einfach „Transe“. >>Meine Güte<< sagt Transe 1 >>wir haben einen Weißen unter uns<< Ich brauche mich nicht umzuschauen, um zu wissen wen er / sie meint. >>Wo bist du denn her?<< fragt mich Transe 2. Ich bin begeistert, dass er / sie Vader Abrahams Schlumpfenlied kennt und antworte >>Aus Deutschland<< >>Ach so, der Nazi ist auch da<< witzelt Transe 2 weiter. Die anderen Besucher lachen. >>Oh<< denke ich. >>Ich bin also in einer Transen-Comedyshow gelandet<< Ich finde die Situation witzig und bestelle mir ein zweites Bier. In dem Aschenbecher vor mir liegen mittlerweile drei von mir ausgedrückte Marlboros. >>Wir machen für dich die Show auf Englisch weiter, ok?<< fragt mich Transe 1. Natürlich finde ich das mehr als ok. Ich biete an später mit zu singen und bereue dies im selben Moment, da ich genau weiß, dass ich der schlechtesteSänger der Welt bin. Pech gehabt. Es wundert mich sehr, dass ich nach meiner Gesangseinlage von meinen Tischnachbarn zu ihrer privaten Geburtstagsparty eingeladen werde. Jeff ist 24 geworden. Mit dem Alkoholpegel steigt auch die Redseligkeit und ich erzähle von dem Hintergrund meines Philippinenbesuchs. >>Das klingt ja spannend<< sagt Jeff >>aber wenn du wirklich deinen Tod vortäuschen möchtest, dann reicht doch eine Sterbeurkunde nicht<< >>Wie meinst du das?<< frage ich. >>Nun ja<< antwortet er >>du brauchst einen Autopsiebericht und im besten Fall eine Leiche<< Daran hatte ich trotz aller Vorbereitung nicht gedacht. >>Ich wüsste da eine Möglichkeit<< sagt Jeff.

*Echt mal, ich bin alt genug Leute:D

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