Erste Impressionen

Erste Impressionen

>>Ich will auf den Schwarzmarkt<< sage ich. >>Ich will meine Bilder sammeln<< sagt Bene. Zum ersten Mal seit unserer Zusammenarbeit sind wir uns uneinig. Wir haben nur zwei Wochen und jede Sekunde, die ich nicht mit irgendwelchen Mafiabossen rede, ist für mich vorerst verlorene Zeit. Man darf bei allem Spaß den wir haben nicht vergessen, dass wir eine Geschichte erzählen wollen. Trotzdem lasse ich mich davon überzeugen erstmal anzukommen, Impressionen mit der Kamera zu sammeln und zu staunen. >>Spürt ihr das?<< frage ich und meine damit den Geruch, den Asphalt unter den Reifen unseres Tricycles* und den Lärm. >>Was meinst du?<< fragen Bene und Karina. >>Das Gefühl der Freiheit<< sage ich und finde mein Gelaber selbst mehr als peinlich.

Etwa eine Stunde später befinden wir uns an einem Kreisel. Wer schonmal in asiatischen Ländern unterwegs war weiß, dass ein solcher Kreisel jedoch kein Kreisel ist, wie wir ihn aus Deutschland kennen. Zwar ist er rund, weil Kreisel nunmal rund sind, doch hier fahren einfach viel mehr Autos. >>Das wäre doch ganz cool für eine Zeitrafferaufnahme<< sagt Bene und baut seine GoPro auf. Wir wollen noch nicht allzu sehr auffallen. >>Mit der GoPro wirken wir, wie normale Touristen<< denke ich und bin zufrieden. Bullshit. Selbst mit GoPro wirken wir anscheinend irgendwie wie Filmemacher. Ob es jetzt an Benes Brillenband, oder meinem Notizbuch liegt kann ich nicht genau sagen, doch plötzlich steht vor uns ein Polizist. >>Das ist nicht erlaubt, ihr steht hier zu lange. Wegen mir wäre das kein Problem, aber ich muss meinen Job machen<< erklärt er Karina auf Tagalog, der Landessprache der Philippinen. Normalerweise ist das der Moment, in dem ich eine große Diskussion beginne, doch der Mann hat eine Shotgun. Ich beginne also lieber nur eine kleine Diskussion. >>Das ist nur für uns<< versuche ich ihm zu erklären. Er bleibt freundlich, doch egal ist es ihm trotzdem. Ein weiterer Polizist kommt dazu und guckt böse. Das philippinische „Good Cop, Bad Cop“. Der Good Cop erklärt uns, dass es in der Nähe so etwas wie einen Drehgenehmigungsladen** gibt. Wir bedanken uns und begeben uns auf die Suche. Es dauert nicht lange und wir werden fündig. Leider ist Sonntag und sonntags haben philippinische Drehgenehmigungsläden anscheinend geschlossen. >>Wären wir mal auf den Schwarzmarkt gegangen<< denke ich.

*Öffentliches Verkehrsmittel, das wie ein Taxi funktioniert, jedoch kein Taxi, sondern ein Motorrad mit Beiwagen ist.

**Kein Scheiß

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